Berufsfachschüler und Studierende am Sprachenzentrum besuchen die Ausstellung "Rechtsextremismus - Verschwörung und Selbstermächtigung 1945 bis heute“

Im Oktober besuchten die Studierenden der Fachakademie sowie die Schüler der Berufsfachschule die Ausstellung „Rechtsterrorismus – Verschwörung und Selbstermächtigung von 1945 bis heute“ unter Führung unserer Englischlehrerin Danka Bodensteiner. Der Fokus der Ausstellung lag bewusst auf den Opfern der rechtsextremen Gewalttaten, da es allzu oft die Täter sind, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Die Ausstellung war in vier Bereiche unterteilt: Revanchismus, Vigilantismus, Antisemitismus und zuletzt Rassismus.

Beginnend mit dem Themenpunkt Revanchismus berichtete Frau Bodensteiner von der Reaktion der nationalsozialistischen Gruppierungen des Nachkriegsdeutschlands auf die Besatzung durch die Alliierten und die damit einhergehenden Nürnberger Prozesse. Die Taten werden als Racheakte oder auch Revanche wahrgenommen. Da man beispielsweise Angriffe auf den Nürnberger Justizpalast befürchtete, wurde das Gelände sogar mit Panzern geschützt.

Das nächste Thema Vigilantismus beschäftigte sich unter anderem mit der Wehrsportgruppe Hoffmann, die von dem Neo-Nazi Karl-Heinz Hoffmann gegründet wurde und weitreichenden Einfluss auf rechtsextreme Gruppierungen in ganz Deutschland ausübte. Dabei betonte Frau Bodensteiner, dass es zu – später immer wiederkehrendem – Versagen durch die Polizei kam, die die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Gruppen und Tätern nicht wahrnahm und so oft von Einzeltätern ausging.

Die Stellwände zum Bombenattentat auf dem Oktoberfest 1980 wurden durch zwei originale Straßenschilder und einen rekonstruierten Mülleimer, der die Bombe beinhaltet hatte, ergänzt. Zudem widmete sich ein Abschnitt dem Überlebenden Robert Höckmayr, dessen Krankenhausbericht für die Teilnehmenden in voller Länge zugänglich gemacht wurde.

Der dritte Abschnitt fokussierte sich auf das Thema Antisemitismus. Dabei zeigte die Ausstellung Fotografien der Grabschändung auf dem Friedhof in Jammertal, bei der ein Grabstein, welcher dem Gedenken an das Konzentrationslager Buchenwald gedient hatte, zerstört wurde. Daneben wurde der Angriff auf die Synagoge in Halle im Jahre 2018 thematisiert, der durch die Holztür des Bauwerks, dessen Original sich auch in der Ausstellung befand, vereitelt werden konnte. Als Reaktion darauf drehte sich der Täter tragischerweise um und tötete zwei Menschen.

Zuletzt wurden im vierten Abschnitt Rassismus verschiedenste Beispiele ausländerfeindlich motivierter Gewalttaten gezeigt. Darunter war der Anschlag auf eine Moschee in Christ Church, Neuseeland, oder etwa die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds, NSU, im Zuge derer neun Opfer starben. Auch bei diesen Morden ermittelte die Polizei nicht mit Hinblick auf das rechtsextreme Milieu und ging zunächst davon aus, dass die Täter aus dem Umfeld der Opfer stammen müssten. Zudem wurde in den Medien von den „Dönermorden“ gesprochen, was zur weiteren Stigmatisierung der Tatopfer und ihrer Familien beitrug.

Zuletzt erhielten die Teilnehmer der Führung die Möglichkeit, sich selbst in der Ausstellung umzusehen und über die Inhalte zu diskutieren.  

Nachfolgend noch ein paar Stimmen aus unserer Klasse:

"Die Führung von Frau Bodensteiner fand ich insgesamt sehr beeindruckend und aufschlussreich. Besonders positiv empfand ich, wie klar und verständlich sie das Thema Rechtsextremismus dargestellt hat. Sie hat nicht nur die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe erläutert, sondern auch die persönlichen Schicksale der Betroffenen in den Mittelpunkt gestellt, was das Thema für mich noch greifbarer gemacht hat. Durch ihre ruhige, aber eindringliche Art zu erzählen, blieb die Führung durchgehend interessant und berührend. Insgesamt habe ich viel Neues gelernt, und die Führung hat mich dazu gebracht, noch intensiver über die Auswirkungen von Rechtsextremismus auf einzelne Menschen und unsere Gesellschaft nachzudenken."

"Die Führung war sehr interessant und informativ. Meiner Meinung nach ist Rechtsextremismus ein Thema, bei dem es weiterhin sehr wichtig ist, darüber aufzuklären und zu informieren."

"Die Führung hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Die Aufklärung über Rechtsextremismus ist zurzeit relevanter denn je und ich finde es weiterhin sehr gut, dass so etwas gefördert wird."

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